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Dienstag. 16. Juli 2019

IAB: Historisch gesehen keine Arbeitsplatzverluste durch Automatisierung

Aktuelle Studie des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung

Der deutsche Arbeitsmarkt konnte den Strukturwandel seit den 70er Jahren bislang alles in allem ausgleichen, zeigt eine neue IAB-Studie: Auf längere Sicht betrachtet entstanden etwa in dem Maß, wie Arbeitsplätze abgebaut wurden, auch neue. Trotz vermehrter Automatisierung in der Industrie seit den 70er Jahren sei der Arbeitsplatzabbau durch Arbeitsplatzaufbau in anderen Betrieben oder Sektoren ausgeglichen worden, schreiben die IAB-Forscher Gartner und Stüber: „Technischer Fortschritt hat in Deutschland bislang nicht zu weniger Arbeit geführt, sondern zu einer Umschichtung von Arbeitsplätzen und Arbeitskräften.“ Für Hochqualifizierte seien sogar mehr Arbeitsplätze hinzugekommen als verschwunden, heißt es weiter. Für Geringqualifizierte sind den Forschern zufolge dagegen weniger Stellen entstanden als abgebaut wurden. Die technologische Entwicklung war also verbunden mit einer qualitativen Veränderung des Bedarfs an Arbeitskräften: Die Nachfrage nach hochqualifizierten Arbeitskräften ist gestiegen, die Nachfrage nach Geringqualifizierten hat abgenommen. Die zunehmend besser ausgebildeten Arbeitskräfte konnten vom Arbeitsmarkt aufgenommen werden. Auch durch die Computerisierung in den vergangenen 20 Jahren ist der Anteil der Arbeitsplätze, die verloren gingen, nicht angestiegen und seit 2005 sogar zurückgegangen. „Es gibt also keinen Trend zu einem Turboarbeitsmarkt, denn dann müssten die Auf- und Abbauraten steigen“, erklären Gartner und Stüber.

In Kürze zusammengefasst:

  • Umbrüche in der Arbeitswelt gab es schon immer. Beispiele sind die industrielle Revolution im 19. Jahrhundert, die uns von der Agrar- zur Industriegesellschaft  führte,  die  Nutzung von Robotern und Compu-tern Ende des 20. Jahrhunderts und aktuell die zunehmende Digitalisie-rung in der Wirtschaft 4.0.
  • Neue  Technologien  können  zu  einem Abbau von Arbeitsplätzen in bestimmten Berufen oder Sektoren führen. Zugleich sorgen sie jedoch auch  für  einen  Arbeitsplatzaufbau  in  anderen  Bereichen.  Es  kommt  damit  zu  einer  Umschichtung  von  Arbeitsplätzen und Arbeitskräften.
  • Die  durchschnittliche  Rate,  mit  der  jedes  Jahr  seit  1993  Arbeitsplätze  abgebaut  wurden,  lag  bei  9,5 Prozent. Die Rate, mit der neue Arbeitsplätze  entstanden,  lag  dem-gegenüber bei 9,7 Prozent. Unterm Strich ist die Beschäftigung damit gestiegen.
  • Seit  den  1970er  Jahren  sind  für  Hochqualifizierte mehr Arbeitsplätze  entstanden  als  verschwunden.  Für   Geringqualifizierte   dagegen   war  es  umgekehrt.  Die  technologische Entwicklung war also mit einer qualitativen  Veränderung  des  Bedarfs an Arbeitskräften verbunden: Während die Nachfrage nach hoch qualifizierten  Arbeitskräften  zugenommen  hat,  ist  die  nach  gering  qualifizierten gesunken.

(Quelle: IAB)