Presse

 
Donnerstag. 16. November 2017

1. Tarifverhandlung für Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland

M+E-Arbeitgeber präsentieren Forderungen zur Modernisierung der Arbeitszeit

Frankfurt /Koblenz/ Neustadt/Saarbrücken. Die Arbeitgeber der Tarifgemeinschaft M+E MITTE haben heute in der ersten Tarifverhandlung für die 400.000 Beschäftigten der Metall- und Elektro-Industrie in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland ihre Forderungen zur Modernisierung der Arbeitszeit präsentiert. Zugleich haben sie das Forderungspaket der IG Metall Mitte als „zukunftsgefährdende Verteuerung der Arbeit am Standort“ zurückgewiesen. „Unsere M+E-Unternehmen brauchen wegen der Globalisierung, Digitalisierung und der wachsende Dienstleistungsintensität eine größere bedarfsorientierte Arbeitszeitflexibilisierung, damit alle Kundenwünsche und Aufträge stets pünktlich und mit hoher Qualität zu weltweit wettbewerbsfähigen Preisen bedient werden können. Die Arbeit muss gemacht werden, und zwar möglichst viel vor Ort. Und selbstverständlich wird nur geleistete Arbeit vergütet. Einseitige Ansprüche auf Arbeitszeitreduzierung, gar noch mit finanziellen Anreizen ausgestattet, würden nur den Fachkräftemangel verschärfen und unsere Mitgliedsunternehmen völlig überfordern. Dabei mögen die Anlässe wie Kindererziehung oder häusliche Pflege im Einzelfall berechtigt sein. Aber dafür werden in den Unternehmen vor Ort passende betriebliche Lösungen einvernehmlich zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern gefunden: häufig auch mit geringerer Arbeitszeit als 28 Stunden, wenn sonst z. B. die Kinderbetreuung nicht organisiert werden kann“, erläuterte M+E-Mitte-Verhandlungsführer Dr. Thomas Brunn die Arbeitgeber-Forderungen. Natürlich dürften angesichts der ordentlichen konjunkturellen Lage die Beschäftigten auch in dieser Tarifrunde damit rechnen, dass sie angemessen am Erfolg ihres Unternehmens beteiligt werden.

Die Arbeitgeber-Forderungen zur Modernisierung der Arbeitszeit
Immer mehr Betriebe beklagten angesichts knapper Fachkräfte, dass Aufträge liegen bleiben oder Entwicklungen sich verzögerten. Konkret fordern die Metallarbeitgeber daher für die Betriebe die Möglichkeit, bei Bedarf die Arbeitszeit mit den Beschäftigten individuell, ohne Mehrkosten und ohne Quotenregelungen auch über 35 Stunden pro Woche hinaus vereinbaren zu können. Die 35-Stunden-Woche könne dabei die tarifliche „Anker“-Arbeitszeit bleiben. „Wir wollen keine generelle Arbeitszeitverlängerung. Aber die Betriebe müssen die Chance bekommen, sich befristet oder dauerhaft mehr Arbeitszeitvolumen zu verschaffen, wenn es benötigt wird – und wenn die Beschäftigten dies mittragen.“ Auch eine kollektive betriebliche Vereinbarung, bei Bedarf die Arbeitszeit zu verlängern und das Entgelt entsprechend zu erhöhen, müsse möglich sein.

Viele Beschäftigte hätten den Wunsch nach mehr Geld und wären auch bereit, dafür länger zu arbeiten, sagte Brunn. Dies dürften aufgrund einer tariflichen Quote aktuell jedoch nur bis zu 13 Prozent der Beschäftigten. Diese Regelung stamme aus einer Zeit wachsender Arbeitslosigkeit. Angesichts zunehmender Fachkräfteengpässe passe sie nicht mehr in die Zeit. Mit ihrer einseitigen Absenkungsforderung verweigere die IG Metall auch 87 Prozent der Beschäftigten, mehr zu verdienen. „Wie das fehlende Volumen angesichts leergefegter Arbeitsmärkte ausgeglichen werden soll, verrät sie nicht. Wir können über Reduzierung in bestimmten Situationen aber erst reden, wenn uns die Öffnung nach oben gelungen ist“, sagte Brunn.

Auch die Zuschlagslogik in der M+E-Industrie will M+E Mitte auf den Prüfstand stellen. Diese stamme aus einer anderen Arbeitswelt mit Zeitmodellen, in denen Volumen und Lage der Arbeitszeit noch stärker reglementiert und durch den Arbeitgeber vorgegeben waren. „Insbesondere muss doch klar sein, dass es keine Zuschläge gibt, wenn der Beschäftigte selbst bestimmen kann, wann er arbeitet.“

Unrealistischer Forderungs-Mix der IG Metall
Verhandlungsführer Brunn zeigte sich in Mainz über den unrealistischen Forderungs-Mix der IG Metall stark befremdet: „Unsere Unternehmen wollen und müssen in die digitale und mobile Zukunft investieren, um z. B. neue Produkte und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und zeitnah an den Markt zu bringen. In solchen Zeiten überzogene Lohnforderungen mit nicht praktikablen und ungerechten Ansprüchen auf Arbeitszeitreduzierungen zu kombinieren – noch dazu verbunden mit einem partiellen Teilentgeltausgleich und einem Rückkehrrecht in Vollzeit – gefährdet die Zukunft unseres Standorts, dessen Arbeitsplätze sowie die Tarifbindung in der M+E-Industrie. Sie lenkt das dringend für Investitionen benötigte Geld ausschließlich in den Konsum, wo es nach einmaliger Wirkung verpufft. Die Metall- und Elektro-Unternehmen müssen aber gewaltige Herausforderungen wie die digitale Transformation und die Umstellung auf neue Antriebe wie Elektromobilität stemmen, die unsere Industrie auf Jahre beschäftigen werden. Diese Anstrengungen erfordern erhebliche, die Zukunft sichernde Investitionen. Wenn wir wollen, dass diese Investitionen nicht in ausländische, sondern in unsere heimischen Standorte fließen, dann dürfen wir unsere zukünftige Wettbewerbsfähigkeit vor Ort nicht durch unvernünftige Kostensteigerungen gefährden, für die unsere weltweiten Kunden kein Verständnis haben, geschweige denn zahlen werden.“


Eine Einigung konnte nicht erzielt werden. Am 6. Dezember werden die Verhandlungen in Darmstadt fortgesetzt.

Die „Arbeitsgemeinschaft M+E MITTE“
M+E MITTE spricht und handelt in Tarifverhandlungen für die Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektro-Industrie Hessens (HESSENMETALL), der Pfalz (PFALZMETALL), Rheinland-Rheinhessens (vem.die arbeitgeber) und des Saarlandes (ME Saar). In den drei Bundesländern umfasst die M+E-Industrie rund 1.400 Unternehmen mit 400.000 Beschäftigten. M+E MITTE verhandelt mit der IG Metall Bezirksleitung Mitte.


Rückfragen bitte an:
Martin Schlechter
ME Saar - Verband der Metall- und Elektroindustrie des Saarlandes e. V.  
Telefon 0681 95434-45
E-Mail: schlechtermesaar.de