Neues aus dem Verband

Mehr als jedes zweite M+E-Unternehmen im Saarland kürzt seine Investitionen

Die Unternehmen der saarländischen Metall- und Elektroindustrie blicken mit großer Skepsis auf den Standort und fahren ihre Investitionen im Inland deutlich zurück. Das zeigt eine aktuelle Umfrage unter den Mitgliedsunternehmen des Verbands der Metall- und Elektroindustrie des Saarlandes (ME Saar) und Gesamtmetall.

„Die Umfrage belegt den hohen Reformbedarf. Die Unternehmen benötigen dringend Entlastungen, um wieder im Wettbewerb bestehen zu können. Die angestoßenen Reformen sind ein erster Schritt, dem sehr zeitnah weitere Schritte folgen müssen“, sagt ME-Saar-Hauptgeschäftsführer Martin Schlechter.

Mehr als die Hälfte der saarländischen M+E-Unternehmen (51 Prozent) plant der Umfrage zufolge für 2026 geringere Investitionen an den deutschen Standorten. Bundesweit liegt dieser Anteil mit 44 Prozent ebenfalls auf einem sehr hohen Niveau, aber spürbar unter dem saarländischen Wert. Nur neun Prozent der Betriebe im Saarland wollen ihre Investitionen erhöhen; bundesweit sind es 16 Prozent.

Besonders alarmierend: Von den Unternehmen im Saarland, die ihre Investitionen reduzieren, kürzen 61 Prozent ihr Budget um mehr als 20 Prozent. Damit droht der industrielle Transformationsprozess gerade in einer Region mit hohem Industrieanteil zusätzlich an Dynamik zu verlieren.

„Die Investitionszurückhaltung ist Ausdruck der strukturellen Krise, in der sich die deutsche Wirtschaft seit Jahren befindet, und der schwierigen Standortbedingungen. Unternehmen sehen derzeit keine ausreichende Grundlage für größere Zukunftsinvestitionen im Inland“, sagt Schlechter.

Auch die allgemeine wirtschaftliche Stimmung bleibt angespannt. Zwar bewerten im Saarland mit 32 Prozent etwas weniger Unternehmen ihre aktuelle Lage als schlecht als im Bundesdurchschnitt (42 Prozent). Gleichzeitig erwartet jedoch nur eine Minderheit von acht Prozent eine Verbesserung im laufenden Jahr. 92 Prozent rechnen mit einer gleichbleibenden oder sogar schlechteren Entwicklung.

Damit gehen auch verschlechterte Beschäftigungsperspektiven einher: 30 Prozent der saarländischen Unternehmen erwarten für 2026 einen Rückgang der Beschäftigung, lediglich acht Prozent rechnen mit zusätzlichem Personalbedarf. Bundesweit planen sogar 41 Prozent einen Personalabbau, während lediglich 13 Prozent von steigender Beschäftigung ausgehen.

„Für den Standort Deutschland ebenso wie für das Saarland sind das negative Prognosen. Jede wegfallende Stelle bedeutet, dass Wertschöpfung und Wohlstand verloren gehen“, sagt Schlechter.

Die Unsicherheit über die weitere wirtschaftliche Entwicklung ist groß. 58 Prozent der saarländischen Unternehmen können derzeit nicht abschätzen, wann sich ihre wirtschaftliche Lage wieder normalisieren wird. Bundesweit liegt dieser Wert sogar bei 65 Prozent. Grund dafür ist auch die Unsicherheit, die der Iran-Krieg mit sich bringt. Infolgedessen werden Investitionen auf die lange Bank geschoben und die Produktion heruntergefahren. Im Saarland geben 30 Prozent der Unternehmen an, geplante Investitionen zu verschieben, 17 Prozent reduzieren ihre Produktion. Bundesweit verschieben 41 Prozent der Unternehmen ihre Investitionen und jedes vierte Unternehmen verringert die Produktion.

Die Ursachen für den Investitionsrückgang liegen nach Einschätzung der Unternehmen vor allem in den Standortbedingungen. Arbeitskosten machen sowohl im Saarland als auch im Bund den zentralen Schmerzfaktor aus. 72 Prozent der Befragten im Saarland und 71 Prozent im Bund nennen sie als einen wesentlichen Grund für ausbleibende Investitionen. Auch die hohen Energiekosten werden im Saarland als wichtiger Faktor genannt. Ebenfalls 72 Prozent haben sie im Saarland als Investitionshemmnis bezeichnet, während sie im Bund bei 58 Prozent hinderlich wahrgenommen werden. Auch Bürokratie und Regulierung werden im Saarland mit 67 Prozent häufiger als Problem gesehen als im Bundesdurchschnitt (57 Prozent). Diese Bewertungen zeigen, unter welchem Druck die Unternehmen im Saarland in der Transformation stecken.

Parallel dazu gewinnen Auslandsstandorte weiter an Bedeutung. 38 Prozent der saarländischen Unternehmen planen höhere Investitionen im Ausland, bundesweit sind es 31 Prozent. Besonders deutlich fällt die Verlagerungstendenz bei den Arbeitsplätzen aus: Über die Hälfte (53 Prozent) der saarländischen Unternehmen geben an, bereits Arbeitsplätze im Ausland aufzubauen oder entsprechende Pläne zu verfolgen. Bundesweit ist dies bei jedem dritten Unternehmen (32 Prozent) der Fall.

Die Unternehmen sehen die Entwicklung zunehmend als Ausdruck struktureller Standortprobleme. Während bundesweit 92 Prozent die Standortbedingungen in Deutschland schlechter bewerten als vor zehn Jahren, sind es im Saarland sogar 100 Prozent der befragten Betriebe.

„Die Befragung zeigt als To-Do-Liste, was die Politik jetzt dringend angehen muss: Die Arbeitskosten, vor allem die Sozialkosten, müssen wieder sinken, Energie muss zu wettbewerbsfähigen Preisen zur Verfügung stehen, der Bürokratieabbau muss glaubhaft umgesetzt werden und Investitionen müssen wieder attraktiv werden. Passiert dies nicht, sinkt nicht nur der Wohlstand der Menschen in Deutschland, auch die Finanzierung der öffentlichen Haushalte und der Sozialkassen sind gefährdet. Die Politik hat es selbst in der Hand, die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft wieder herzustellen“, sagt Schlechter

 

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Joachim Wollschläger
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