1924 Luftbild der neu entstandenen Villa Langhammer 1924_00_00_01_Luftbild_05_neu.jpg

Verbandshaus im historischen Ambiente

Sitz im früheren Garten der Villa Langhammer

Der Sitz des ME Saar ist ein Neubau aus den 60er Jahren, der in der Nachbarschaft des früheren Gartenhauses der Villa Langhammer entstanden ist. Die heute denkmalgeschütze Villa Langhammer hatte sich der Stahlbaukonstruktionsfabrikant Bernhard Seibert zwischen 1924/25 im Stil des Neobarock bauen lassen. Dazu gehörte ein barocker Lustgarten am Hang hinter dem Haus. In den 40er Jahren verliefen hier die Linien der Panzersperren, die noch heute als denkmalgeschützte Relikte des Krieges am unteren Ende des Gartens zu sehen sind. In den 60er Jahren entstand im unteren Teil des Gartens eine repräsentative Bungalow-Villa als Wohnhaus, in die später der Verband eingezogen ist. Fotos aus der Vergangenheit dokumentieren die Entstehung des Hauses.

1940 prägten Bunker und Panzersperren den BlickBlick vom Rohbau auf die Villa 1962Juni 1962 Die Decke entstehtJuli 1962 Der Rohbau hat Gestalt angenommen1970 Außenansicht auf die Villa1970 Blick durch den Flur zur HaustürEsszimmer, Wohnzimmer und Kaminzimmer im Stil der späten 60er Jahre. Fotos: Archiv Langhammer

Dokumente aus der Gründerzeit der saarländischen Verbände

Satzungen, Arbeitsordnungen, Zuschlagsanweisungen

Bereits Anfang des vergangenen Jahrhunderts haben sich die Betriebe der Eisen- und Stahlindustrie zusammengeschlossen, um gemeinsam als Gruppe ihre Interessen besser durchsetzen zu können."Der Verein Deutscher Eisen- und Stahl-Industrieller hat den Zweck, die gemeinsamen Interessen der deutschen Eisen- und Stahlindustrie in den sie berührenden volkswirtschaftlichen Angelegenheiten wirksam zu vertreten", heißt es in §1 der Satzung aus dem Jahr 1914. Im Fokus stehen demnach "die wirtschaftliche Gesetzgebung des Reiches und der Einzelstaaten, der Abschluss günstiger Handels- und Schiffahrtsverträge, die Regelung der Arbeitsverträge", aber auch "die Vervollständigung der Verkehrsmittel, die Verbesserung des Betriebes auf ihnen, sowie die Vereinfachung und günstigere Gestaltung der Tarife".

Noch etwas breiter gefasst waren die Aufgaben des "Vereins zur Wahrung der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen der Saarindustrie". Hier heißt es in §2: "Der Verein wird suchen seinen Zweck zu fördern:

  1. durch schriftstellerische Tätigkeit
  2. durch Vorstellungen bei den Behörden und gesetzgebenden Körperschaften
  3. durch Vermittelungen bei den einzelnen Industriellen und Industriezweigen
  4. durch die Sammlung statistischen Materials
  5. durch jede sonstige geeignete Vertretung der Vereinsinteressen

Das Stinnes-Legien-Abkommen, mit dem Arbeitgeber und Arbeitnehmer vier Jahre später den Grundstein für die Sozialpartnerschaft legten, war 1914 noch nicht in Sicht. Entsprechend kämpferisch mutet 2014 noch die Formulierung der Satzung des Arbeitgeberverbandes an. Hier heißt es in Absatz 1: "Der Zweck des Arbeitgeberverbandes der Saarindustrie ist die Aufrechterhaltung freundlicher Beziehungen zwischen Unternehmer und Arbeiter im Saargebiet durch Bekämpfung sozialdemokratischer und gewerkschaftlicher Bestrebungen, insonderheit hinsichtlich von Ausständen und Boykotts."

Im Laufe des vergangenen Jahrhunderts hat sich dann ein Miteinander von Unternehmen und Arbeiterschaft entwickelt. Arbeitsordnungen und Zuschlagsvereinbarungen regelten sehr genau, wie sich die Seiten im Arbeitsverhältnis zu verhalten haben. So sind die Belegschaftsmitglieder verpflichtet, "pünktlich zur Arbeit zu erscheinen, die übertragene Arbeit mit Fleiß, Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit auszuführen und alles zu vermeinden, was die Arbeit und Ordnung im Betrieb stören und dem Betrieb Nachteil bringen könnte", wie es die Musterarbeitsordnung von 1949 vorschreibt. Umgekehrt sind Kontrollen an den Torhäusern auf "unrechtmäßig mitgeführte Gegenstände" durch den Arbeitgeber "so durchzuführen, daß dadurch die Ehre des Belegschaftsmitglieds nicht verletzt wird."

Für historisch interessierte Leser sind diese Dokumente wahre Fundstücke, die das Leben und Arbeiten zu Beginn und in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts abbilden - und die gleichzeitig die Grundlage für manche Regelung heutiger Tarifverträge liefern.

Satzungen und Mitgliedsverzeichnisse der saarländischen Arbeitgeberverbände des 20. Jahrhunderts

Musterarbeitsordnung von 1949

Anleitung für die Zahlung von Familienzulagen