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ME Saar aktuell

Eugen-Helmlé-Übersetzerpreis geht an Corinna Gepner

Die französische Übersetzerin wird mit dem Preis ausgezeichnet, der von der Stiftung ME Saar, der Stadt Sulzbach und dem Saarländischen Rundfunk verliehen wird. Sie hat sich nicht nur mit zeitgenössischer deutscher Literatur auseinandergesetzt, sondern auch etablierte Autoren wie Klaus Mann und Erich Kästner ins Französische übersetzt. Außerdem hat sie in eigenen Büchern auch das Übersetzen an sich thematisiert.

Der mit 10.000 Euro dotierte Eugen-Helmlé-Übersetzerpreis der Stiftung des Verbandes der Metall- und Elektroindustrie des Saarlandes (Stiftung ME Saar), der Stadt Sulzbach und des Saarländischen Rundfunks geht in diesem Jahr an die französische Autorin und Übersetzerin Corina Gepner. Die promovierte Germanistin zeichnet sich nach Ansicht der Jury durch eine besondere Musikalität der Sprache aus. Für sie sei Übersetzen quasi ein inneres Bedürfnes, etwas Überlebensnotwendiges. In kurzen Aperçus stelle sie ihre bewegende Familiengeschichte der Arbeit an und mit den Sprachen gegenüber, verwebe die Migrationsgeschichte ihrer Großeltern, die aus Osteuropa nach Frankreich kamen, mit der Notwendigkeit, zu übersetzen, „um nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren“.

"Die Verbindung zu unserem französischen Nachbarn – auch auf kultureller Ebene – liegt der Stiftung ME Saar sehr am Herzen", sagt Oswald Bubel, Vorstandsvorsitzender der Stiftung ME Saar. "Der Saarländer Eugen Helmlé hat als Übersetzer beispielhaft Brücken ins Nachbarland gebaut. Deshalb engagieren wir uns seit 16 Jahren beim Eugen-Helmlé-Übersetzerpreis. Wir freuen uns besonders, dass mit Corinna Gepner eine Übersetzerin und Literaturwissenschaftlerin geehrt wird, die neben moderner Literatur wie Büchern von Katharina Hagena auch allgemein weniger bekannte klassische Werke wie Erich Kästners „Fabian“ und Ernst Haffners „Blutsbrüder“ ins Französische übersetzt hat, die sich mit dem Deutschland der 30er Jahre auseinandersetzen. In ihrem Buch „Traduire ou perdre pied“ beschreibt sie außerdem eindrücklich die Herausforderung, die das Übertragen eines Buchs in eine andere Sprache mit sich bringt.  Sie zeigt, dass Übersetzen die Verknüpfung eigenen Erlebens, eigener Geschichte mit der Erlebniswelt des übersetzten Autors ist - und damit eine Brücke, die Grenzen überwindet."

Für Gepner ist der fremde Text immer „die Realität des anderen“, der man sich anzunähern versucht, zu der man aber stets eine Distanz bewahrt. In diesem Niemandsland zwischen Kreation und Re-Kreation wird Corinna Gepner neben dem Übersetzen gleichzeitig Autorin. Corinna Gepner 1963 in Paris geboren, widmet sich seit über 20 Jahren der literarischen Übersetzung aus dem Deutschen, mitunter aus dem Englischen, ins Französische. Zuvor hat sie unter anderem französische Literatur an der Université Paris III unterrichtet und zehn Jahre lang regelmäßig eine Radiosendung über deutschsprachige Literatur moderiert.Inzwischen umfassen ihre Übersetzungen über sechzig Titel aus dem Deutschen ins Französische, darunter Werke von Klassikern wie Klaus Mann, Erich Kästner oder Stefan Zweig und aktuelle Literatur etwa von Christian Kracht oder Katharina Hagena. Bis 2020 war sie Präsidentin der „Association des traducteurs littéraires de France“ und unterrichtet literarisches Übersetzen an der École de traduction littéraire und an verschiedenen Universitäten.